Daten zur Medizingeschichte
Geschichte der Medizin von der Jungsteinzeit bis ins 21. Jahrhundert.
Galnos von Pergamon
Medizingeschichte hat eine lange Tradition. Schließlich berief man sich im Mittelalter und in der Neuzeit gerne auf Koryphäen, etwas was ein Galeanos von Pergamon (129/131 bis 199/201 oder 216) vor Jahrhunderten geschrieben hatte, besaß auch lange nach seinem Tod höchstes Ansehen. Galen arbeitet höchst systematisch und so brauchte es gut 1400 Jahre, bis sein Werk kritisch hinterfragt wurde. Galens Auffassungen vom Fluss des Blutes wurden erst im 17. Jahrhundert durch William Harvey und Marcello Malpighi revidiert. Dabei hatten die beiden mit erheblichen Widerständen zu kämpfen, schließlich genoss Galen von Pergamon auch weit über das 17. Jahrhundert hinaus großes Ansehen.Und einiges aus dem Werk Galens hat ja auch heute noch Gültigkeit. So ergänzte Galenos die von Celsus (25 v. Chr. - ca. 50 n. Chr., römischer Enzyklopädist und einer der der wichtigsten Medizinschriftsteller seiner Zeit)) beschriebenen Kardinalzeichen der Entzündung.
Galenos galt lange als absolut unwidersprochene Autorität in der Medizin. Diesen Status in der Medizingeschichte hält der antike Arzt bis in die Renaissance. Galen hatte sich in seiner Zeit mit Sektionen beschäftigten. Aus dieser Arbeit, die er allerdings an Tieren durchführte, gewann er Erkenntnisse über die Anatomie des Menschen. So war das Werk Galens ein Standardwerk für anatomische Vorlesungen. Das was der Arzt an Wissen über die Medizin zusammengetragen hatte galt als vollständig. Erst im 16. Jahrhundert begann man aber an Galen zu zweifeln. So war Andreas Versalius (1514-1564, eigentlich Andreas Witinck, flmäischer anatom der Renaissance) der erste, dem aufging, dass Galenos wohl nie einen Menschen seziert hatte. Versalius begann selbst sich mit anatomischen Forschungen zu beschäftigen, so lange Galen als unbestrittene Autorität galt, auch in der Anatomie, fast ein Kampf gegen Windmühlen.
Andreas Versalius
Andreas Versalius gilt heute als Begründer der neuzeitlichen Anatomie sowie des morphologischen Denkens in der Medizin. Versalius war zu dem als Leibarzt Karls V. und Philipps II. von Spanien tätig.Bis ins 13. Jahrhundert wäre es allerdings auch kam möglich gewesen, die Arbeiten von Galens zum Bereich der Anatomie zu überprüfen. Erst der Stauferkaiser Friedrich II. (1195-1250) hatte das Sezieren von Leichen dann erlaubt. Allerdings konnten nur Verbrecher seziert und untersucht werden. Versalius musste für seine anatomischen Studien in der Nacht Gehängte vom Galgenberg abschneiden. Zwischen 1539 und 1540 sezierte Versalius dann auch öffentlich in Bologna.
Medzingeschichte in Jahreszahlen
| um 3000 v. Chr. | Jungsteinzeit: Rituelle Operationen, Geburtshilfe, Trepanationen (operative Öffnung der Schädelhöhle zur Vornahme chirurgischer Eingriffe), Dämonenbeschwörung |
| 2800 v. Chr. | Ältestes Chirurgiebuch Papyrus Smith und andere Papyri (Ägypten)
Durch eine Inschrift, die während der 5. Dynastie (2470-2320 v. Chr.) entstanden ist, ist überliefert, dass Ärzte in Ägypten damals schon über Papyri fachwissenschaftlichen Inhalts verfügt haben müssen. Medizinische Papyri |
| 1700 v. Chr. | Codex Hammurapi mit Falldarstellungen und Gebührenordnung (Mesopotamien)
Bei dem Codex Hammurapi handelt es sich um die älteste erhaltene Gesetzessammlung der Alten Welt, die je gefunden wurde. Er befindet sich auf einem 2,25 Meter hohen schwarzen Basaltsein. Er ist heute im Louvre zu besichtigen. Englische Übersetzung des Codex Hammurapi |
| 1900 v. Chr. | Weitere Chirurgiebücher aus Ägypten, in der Sammlung des British Museum befinden sich einige medizinische Papyri aus der Zeit von 1900 bis 1200, häufig fehlt der Anfang und das Ende des Papyrus. Übersicht Papyri mit Inhaltsangaben |
| ab 1500 v. Chr. | In den heiligen Büchern der Veden wird Ayurveda, die uralte Heilkunst der indischen Ärzte. Ayurveda wird heute noch eingesetzt. Weitere Informationen über Ayurveda |
| 500 v. Chr. | Akupunktur als Diagnose- und Therapiemethode (China). Wird heute ebenfalls noch eingesetzt. |
| 400 v. Chr. | Begründung der Medizin, Aufbau einer Krankheitslehre (Hippokrates von Kós, geboren um 460 v. Chr., gestorben um 375 v. Chr.).
Hippokrates war der berühmteste Arzt des Altertums und ein Zeitgenosse Platons. Ihm wird auch der Eid des Hippokrates zugeschrieben. Ich schwöre bei Apollon dem Arzt, Asklepios und Hygeia und Panakeia und rufe alle Götter und Göttinnen zu Zeugen auf, dass ich nach bestem Vermögen und Urteil diesen Eid und diese Verpflichtung erfüllen werde: Vollständiger Eid des Hippokrates. Grundlagen der Diätetik und Hygiene (Diokles von Karystos, 418-345, Schüler des Aristoteles, Anhänger des Hippokrates). Diokles von Karystos berichtete in seinen Werken über Hygiene, Heilkräuter, anatomische Untersuchungen und über die Chirurgie. |
| um Chr. Geburt | Aulus Cornelius Celsus schreibt in seiner Enzyklopädie ein Buch De medizina |
| 100 n. Chr. | In der Regierungszeit Trajans (98-117 n. Chr.) wirkte der griechische Arzt Soranus von Ephesus. Seine Schriften geben einen guten Einblick in die Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Von Rufus von Ephesus sind Schriften über Nieren- und Blasenleiden aus dieser Zeit bekannt. |
| 150 | System der gesamten Medizin durch Claudius Gelenus (Galen), geboren 119/120 gestorben 199. Römischer Arzt griechischer Herkunft. Galen ist neben Hippokrates der bedeutendste Arzt der Antike. Er schuf ein umfassendes System der Medizin, das mehrere Jahrhundert die Heilkunde beherrschte. Er hatte auch erkannt, dass Hygiene der Krankheitsverhütung dient. Galen wurde bereits mit 35 Jahren wegen seiner diagnostischen Fähigkeiten an den kaiserlichen Hof berufen. |
| 1000 | Avicenna, arabisch Ibn Sina, geboren um 980, gestorben 1037 in Hamadan, persischer Philosoph und Arzt. Avicenna entwickelte drei große philosophische werke den Aristotelismus. Sein medizinisches Handbuch Kanon der Medizin (Canon medicinae) war 700 Jahre lang bis zum Beginn moderner Medizin eine unbestrittene Autorität. |
| 1150 | Entwurf einer Natur- und Heilkunde Causae et curae (Hildegard von Bingen) |
| 1250 | Ausbau der scholastischen Heilkunde (Arnaldus von Villanova) |
| ab 1348 | Auftreten und Ausbreitung der Pest |
| 1350 | Begründung der abendländischen Chirurgie (Guy de Chauliac, gestorben 1368) |
| 1356 | Goldene Bulle beinhaltete erste Regelungen im öffentlichen Gesundheitswesen. |
| ab 1496 | Epidemische Verbreitung der Syphilis |
| 1500 | Entwurf einer umfassenden Heilkunst und Lebenskunde (Pracelsus, 1493-1541) |
| 1543 | Begründung einer neuzeitlichen Anatomie Fabrica, (Andreas Vesalius, 1515-1564) |
| 1628 | Entdeckung des Blutkreislaufes De motu cordis (William Harvey, 1578-1657) |
| 1665 | Beschreibung des Kapillarkreislaufs (Marcello Malpighi, 1628-1694) |
| 1690 | Die Kgl. Preußische und Chur-Brandenburgische Hof-Wehemutter, erstes deutschsprachiges Lehrbuch für Hebammen, Justine Siegemund |
| 1750 | Systematik der Physiologie und Pathologie (Albrecht von Haller, 1708-1777) |
| 1761 | Begründung der modernen pathologischen Anatomie (Giovanni Battista Morgagni, 1682-1771) |
| 1779 | Grundlegung der Hygiene System einer vollständigen medizinischen Polizei (Johann Peter Frank, 1745-1821) |
| 1796 | Erste erfolgreiche Impfung gegen Pocken (Edward Jenner, 1749-1823) |
| 1800 | Begründung der allgemeinen Gewebelehre (Xavier Bichat, 1771-1802) |
| 1838/39 | Begründung der Lehre von den Zellen (Matthias Jakob Schleiden, Theodor Schwann) |
| ab 1846 | Einführung moderner Narkoseverfahren (John Hughlings Jackson, William Thomas Morton, Sir James Simpson) |
| um 1850 | Grundlegung der modernen Physiologie (Johannes Müller, 1801-1858) |
| 1851 | Erfindung des Augenspiegels (Hermann von Helmholtz, 1821-1894) |
| 1858 | Grundlegung der modernen Pathologie Zellularpathologie (Rudolf Virchow, 1821-1902) |
| 1861 | Prophylaxe des Kindbettfiebers (Ignaz Semmelweis, 1818-1865) |
| 1867 | Einführung der antiseptischen Wundbehandlung (Joseph Lister, 1827-1912) |
| 1876 | In Deutschland wird das Reichsgesundheitsamt gegründet. |
| um 1880 | Begründung des Zeitalters der Bakteriologie (Louis Pasteur, 1822-1895 und Robert Koch, 1843-1910) |
| 1882 | Begründung der Immunitätslehre (Paul Ehrlich, 1854-1915) |
| ab 1883 | Einführung einer umfassenden Kranken-, Alters- und Invalidenversicherung. |
| 1895 | Entdeckung der Röntgenstrahlen (Conrad Röntgen) |
| ab 1900 | Lehre von den bedingten Reflexen (Iwan Petrowitsch Pawlow, 1849-1936) |
| um 1900 | Aufbau und Ausbreitung der Psychoanalyse (Sigmund Freud, 1856-1939) |
| ab 1905 | Aufbau einer spezialisierten Neurochirurgie (Harvey Cushing, 1869-1939) |
| 1912 | Gründung des deutschen Hygiene-Museums (Karl August Lingner, 1861-1916) |
| 1922 | Klinischer Einsatz von Insulin. |
| 1928 | Entdeckung des Penicillins (Alexander Fleming, 1881-1955) |
| 1929 | Nachweis der Aktionsströme des Gehirns (Hans Berger, 1873-1941) |
| 1934 | Behandlung von Infektionskrankheiten mit Sulfonamiden (Gerd Domagk, 1895-1964) |
| 1942 | Einführung des Penicillins (Alexander Fleming) |
| 1948 | Gründung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) |
| 1953 | Schutzimpfung gegen Kinderlähmung (Jonas E. Salk) |
| 1955 | Einführung der Ultraschalldiagnostik |
| 1965 | Antibabypille zur Empfängnisverhütung (Gregory Pincus) |
| 1967 | Erste Herztransplantation (Christiaan Barnard, geboren 1923) |
| 1971 | Entwicklung der Computertomographie (Godfrey N. Haunsfield) |
| 1976 | Die Weltgesundheitsorganisation WHO registriert die Ausrottung der Pockenkrankheit. |
| 1978 | Zeugung eines Kindes außerhalb des Mutterleibs (Retortenbaby, Patrick C. Steptoe) |
| 1982 | Einführung der Kernspintomographie |
| 1983 | Entdeckung des Aidserregers HIV (Luc Montagnier, Robert Gallo). Ab 1985 Ausbreitung der Immunschwäche AIDS. |
| 1991 | Prionen als Erreger von BSE und Creutzfeldt-Jakob (Stanley B. Prusiner) |
| 2001 | Vollständige Entschlüsselung des menschlichen Erbguts (Human-Genom-Projekt, Celera Genomics) |
| 2001 | Erstes eigenständig arbeitendes Kunstherz eingesetzt |

