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Päpstin Johanna - eine Frau als Papst?

Päpstin Johanna, Johannes Anglicus, eine fiktive Gestalt oder doch eine historische Person. Wohl eine der interessanten Aspekte in der Geschichte, die nie völlig geklärt werden.

Katholische Theologen bestreiten, dass es jemals einen weiblichen Papst gegeben habe. Die Legende von Päpstin Johanna behauptete sich trotzdem über die Jahrhunderte. Selbst die Kirche soll bis Anfang des 17. Jahrhunderts ihr Pontifikat als historische Tatsache anerkannt haben und damit den Legenden, die ab dem 13. Jahrhundert entstanden Glauben geschenkt haben. Nach dem 17. Jahrhundert wird die Päpstin in kirchlichen Quellen offiziell aber nicht mehr erwähnt. In der Kathedrale von Siena soll in einer Reihe von Papstbüsten ihr Porträt, bezeichnet mit dem Vermerk: "Johannes VII., femina ex Anglia" (Johannes VII., Frau und Engländerin), stehen.

Erste Erwähnung von Päpstin Johanna

Zum ersten Mal erwähnt wurde Johanna von ihrem Zeitgenossen, dem Gegenpapst Anastasius Bibliothecarius (gest. 886). So glaubte man jedenfalls lange. Offenbar wird Johanna aber gar nicht von Anastasius Bibliothecarius selbst erwähnt, sondern findet Erwähnung in einer Fußnote, die selbst aber erst viel später eingefügt wurde. Nicht auszuschließen, dass diese Fußnote erst im 13. Jahrhundert entstand und dabei maßgeblich von den entstehenden Legenden um Päpstin Johanna beeinflusst wurde.

Aufgeführt ist sie auch in der Chronik der Päpste von Scotus: "A.D. 854, Lotharii 14, Johanna, eine Frau, Nachfolgerin von Leo, zwei Jahre, fünf Monate und vier Tage im Amt." De Gemblours' Chronik stellt fest: "Es wird berichtet, dass dieser Johannes eine Frau gewesen und von einem ihrer Diener geschwängert worden sei. Die Päpstin, in andere Umstände geraten, brachte ein Kind zur Welt, weswegen sie von einigen nicht mit zu den Pontifizes gezählt wird." In Thomas de Elmhams offizieller Liste heißt es: "A.D. 855, Johannes. Dieser Eintrag zählt nicht. Sie war eine Frau."

Der Vollständigkeit halber sei aber darauf hingewiesen, dass eine der ersten Erwähnungen einer, nicht namentlich bekannten Päpstin, für das 11. Jahrhundert datiert und erst später ins 9. Jahrhundert verlegt wird. Der Dominikanermönch und Chronist Martin von Troppau (gestorben 1278) veröffentlichte im Jahre 1277 eine Chronik, in dieser wurde die Geschichte der Päpstin nicht nur in das 9. Jahrhundert verlegt sondern auch um die Details Schwangerschaft und Niederkunft während einer Prozession bereichert.

Legende um die Päpstin aus England

Über das Leben von Päpstin Johanna wird berichtet, dass sie eine Engländerin gewesen sei, die sich in der Heiligen Schrift besser ausgekannt habe, als irgendein Mann. Sie sei zum Papst gewählt worden, weil sie sich als Mann verkleidet und als Mönch ausgegeben habe. Der Betrug wurde aufgedeckt, als die Geburtswehen sie überkamen. Sie sei auf der Straße zwischen Lateranpalast und der St. Clemens-Kirche gestorben.

Gegenpast Johannes

Die offizielle Version der Geschichte behauptet, die die Existenz von Päpstin Johannes leugnet, dass es einen "Gegenpapst" namens Johannes gegeben habe, der auf Druck der Öffentlichkeit, aber gegen den Willen des Klerus entmachtet und bald darauf gestürzt worden sei.

Vielleicht ist in der Legende um Päpstin Johanna mehr Wahrheit enthalten, als es heute den Anschein hat. Bis ins 12 Jahrhundert hat es bis in die höchsten geistlichen Ämter Frauen gegeben. Deutsche und französische Äbtissinnen hatten früher episkopale Vollmachten und trugen "Sacerdos Maxima" (Hohepriesterin) als Titel. Bei Quedlinburg kontrollierten die Äbtissinnen als oberste Stiftsdamen alle religiösen Orden sowie die ganze Stadt. Aber nur weil Frauen jemals eine solche Machtposition innerhalb der Kirche hatten, heißt dies nicht, dass es eine von ihnen schaffte, als Mann verkleidet bis zum Stellvertreter Gottes auf Erden, bis zum Papst aufzusteigen.

Die Päpstin - Propaganda aus England?

Im England des 17. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Geschichte von Päpstin Johanna absichtlich in Umlauf gebracht. Damit sollte Schmach über die Papisten gebracht werden. Im 16. Jahrhundert hatte sich die englische Kirche von Rom gelöst, ein Scheidungsproblem im englischen Königshaus führte zu dem Bruch mit Rom. Nicht unwahrscheinlich, dass die Engländer mit der Geschichte von einer Frau als Stellvertreterin Gottes Propaganda betrieben.

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Die Hohepriesterin im Tarotblatt wurde bei einigen Varianten, wie dem Marseille-Tarot, als die Päpstin bezeichnet.

Im Vatikan hatte sich infolge der Legende um Johanna angeblich eine sonderbare Sitte durchgesetzt. Kandidaten für das Papstamt mussten sich nun nackt auf einen nach unten offenen Schemel setzten; dieser war über einem Loch im Boden platziert, durch das die Kardinäle aus einem darunter liegendem Zimmer Inspektion hielten.


Bücher und Film rund um Päpstin Johanna

Es gibt einen interessanten Roman von Donna Woolfolk Cross mit dem Titel Die Päpstin aus dem Jahre 2001. Der historische Roman wurde auch verfilmt und kam 2009 in die Kinos. Insgesamt hält er sich an die bekanntesten Fakten und erzählt die Geschichte eines Mädchens, das heimlich lesen und schreiben lernt, Bildung sucht, diese im Kloster findet und später auf der Angst vor Entdeckung ausgerechnet nach Rom flüchtet. Dort wird sie ausgerechnet zu dem Zeitpunkt als sie ihre kirchliche Karriere zugunsten ihrer großen Liebe aufgeben möchte, zum Papst ernannt. Das Buch gibt es auch als Film: Die Herrin der Päpste einen historischen Roman, dessen Handlung frei um das Leben der Marozia entwickelt ist. Im Jahre 2006 legte Frederik Berger mit dem Buch Die heimliche Päpstin einen weiteren historischen Roman um die Geschichte Marozias vor.


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