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Olympe de Gouges politische Position Produktivität

Olympe de Gouges versuchte ihren Lebensunterhalt als Theaterautorin zu bestreiten. Sie kämpfte erbittert jahrelang um die Aufführung ihrer Stücke in dem konservativen, dem König unterstellten Theater Comedie Francaise; eine Erbitterung, die Olympe de Gouges artikulierte: "Warum diese unerschütterliche Voreingenommenheit gegen mein Geschlecht? Und warum sagt man, wie ich es habe laut sagen hören, daß die Comedie Francaise keine Stücke von Frauen spielen sollte? Ich bin eine Frau, wenig reich ... Wird es den Frauen denn niemals erlaubt sein, den Schrecken der Armut anders zu entkommen als mit niederträchtigen Mitteln?"
Olympe de Gouges hatte den Mut und die Ausdauer, diesem Kampf standzuhalten. "Jetzt ist es das neunte Jahr, daß ich versuch, in einem Drama alle Härte der Sklaverei der Schwarzen zu schildern. Es ging kaum um die Frage, ihnen ihr Schicksal zu erleichtern und ihre Freiheit vorzubereiten. Einzig erhob ich die Stimme zugunsten dieser so unglücklichen und verleugneten Menschen. Wenn ich auch die Schwäche meiner Talente und die Macht meiner Feinde zu fürchten hatte, so scheint mir die gegenwärtige Epoche der Wiederherstellung der Freiheit ein wenig Nachsicht für mein Werk zu versprechen, das eben diese Freiheit verteidigt?" Einige Tage vor Aufführung des Stückes formulierte Olympe de Gouges in einem Artikel in der Zeitung "Chronique de Paris" am 19. Dezember 1789 ihren Kampf um das Drama "Zamore und Mirza, oder der glückliche Schiffbruch", umbenannt ihn "Sklaverei der Schwarzen, oder der glückliche Schiffbruch". Am 26. Dezember 1789 wird dieses Stück im Theatre de la nation (so war die reaktionäre Comedie Francaise im Geburtsjahr des Patriotismus umgetauft worden) aufgeführt. Die Kritiken der Zeitungen zerreißen ihr Stück. Olympe de Gouges sieht den Mißerfolg ihres Stückes in der Opposition der "Colons" begründet, jener Kolonialisten Frankreichs, die in den großen Hafenstädten die Handels-Bourgeoisie stellten, deren Besitzerinteresse die Plantagen in Übersee waren. "Die Colons, denen nicht zu teuer ist, um ihre grausamen Ambitionen zu befriedigen, haben die Comediens gewonnen, und man versicherte, daß die Unterbindung des Stücks die Einnahmen nicht schädigen wird." Mit Einnahmen waren die des Theaters gemeint. In der Aufklärung war die Sklavenfrage, für die sie sich hier engagierte von großer Bedeutung. Zum einen die humanistisch-philosophische Sicht (von der sie wohl beeinflußt war), zum anderen der ökonomische Diskurs, der vorrangig die Unrentabilität der Sklavenwirtschaft problematisierte. Bei ihr ist Thema die Inhumanität der Sklaverei, die zutiefst der natürlichen Ordnung widerspricht, in der alle Menschen frei geboren werden. Alle Menschen: ihre Naturrechtsdefinition bezieht radikal die Frau mit ein. Sklaverei wird bei ihr zur Metapher für die Rechtlosigkeit der Frau in den nachfolgenden Schriften. Ihre Hoffnung: Eine aufgeklärte Regierung würde dieser Vernunft- und stilwidrigen Situation ein Ende bereiten. Ihre Sache ist nicht das revolutionäre Chaos, sie betont immer die Notwendigkeit einer friedlichen Umwälzung der Verhältnisse; hier ist sie geistige Tochter der Aufklärung. Nicht die revolutionäre Aktion ist ihr Gebiet, sondern die Agitation über die Veröffentlichung ihrer Schriften, der unablässige Appell an die natürliche Gerechtigkeit der Vernunft. Allerdings wird ihr Optimismus nicht nur an diesem Punkt enttäuscht; nicht nur die Sklaverei wird nach 1789 beibehalten, sondern auch die Rechtlosigkeit der Frau bleibt bestehen.
"Und von wem hängt diese Revolution ab: vergebens wird man Gesetze schaffen, vergebens wird man das Königtum umstürzen; solange man nichts tut, um die Seele der Frauen zu erziehen, solange die Frauen nicht dazu beitragen, sich vorteilhafter und konsequenter zu zeigen, solange die Männer nicht groß genug sind, um sich ernsthaft um ihren wirklichen Ruhm zu kümmern, solange kann der Statt nicht aufblühen." Olympe de Gouges in ihrem 1791 uraufgeführten Stück "Mirabeau au Champs-Elysees". Ein Einakter, am 15. April 1791 in der Comedie Italienne zu Ehren des verstorbenen Helden der Revolution Graf Mirabeau aufgeführt. An Mirabeau hatte Olympe seinerzeit ein Exemplar ihres Stückes "Die Sklaverei der Schwarzen" gesandt; er schrieb ihr in wohlwollenden Worten, seine Achtung für ihr Engagement aussprechend, zurück. Sie teilte die patriotische Begeisterung für dieses Idol der beginnenden Revolution, dessen frühen Tod Olympe de Gouges betrauerte. Das Stück zu seinen Ehren hat sie mit den Worten unterzeichnet: "Die leidenschaftliche Patriotin und beste Bürgerin." Zusammen mit Mirabeau treten die Großen der Aufklärung auf die Bühne, mit ihnen Ninon de Lenclos und Madame de Sevigne, beides berühmte "femmes de lettres" des 17. Jahrhunderts und Vorbilder für Olympe de Gouges. Sie rufen eine weibliche Tradition der Veröffentlichungen in Erinnerung, deren Erbe Olympe weiterführen zu versuchte.
Olympe de Gouges setzt die in ihrer Macht stehenden Mittel ein (im wesentlichen das Schreiben), nicht zum persönlichen Ruhm, sondern im Dienste der Aufklärung und des Kampfes für ihre Vorstellung: Ein Weg, den sie unerschrocken bis zum Ende verfolgte. Die Egalite der Geschlechter nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Zu kurz kommt dabei die Auseinandersetzung mit der alltäglichen materiellen Not des Volkes.


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