Olympe de Gouges vor dem Revolutionstribunal
Olympe de Gouges letzter Gang führt sie vor das Revolutionstribunal in Paris.
Olympe de Gouges selbst, die sich als "beste Bürgerin" bezeichnet hatte, antwortete auf die Fragen des Revolutionstribunals: "Ihr liebt die Jakobiner wohl nicht?" mit dem Satz: "Ich liebe die guten Bürger, die Schützer unseres Gemeinwesens, die Intriganten liebe ich in der Tat nicht". Zu diesen "Intriganten" zähle Olympe de Gouges insbesondere Robespierre. Im November 1792 hatte Olympe de Gouges eine "Prognose Maximilian Robespierre betreffend" verfaßt, in der sie sich auf die Auseinandersetzung im Konvent zwischen dem girondistischen Abgeordneten Luvet und Robespierre bezieht. "ich bin ein Lebewesen ohnegleichen; ich bin nicht Mann noch Frau. Ich bin habe allen Mut des einen und zuweilen die Schwächen des anderen. Meine Liebe gilt meinem Nächsten, mein Haß mir allein. Ich bin stolz, einfach, loyal und sensibel." Mit diesen Worten eröffnet sie ihren Angriff gegen Robespierre. Einzig die Tugenden sind maßgeblich für die integere Persönlichkeit eines Menschen, nicht das Geschlecht. Robespierre könne keine der genannten Tugenden vorweisen; wenn er behaupte, der Schöpfer der Revolution zu sein, so müsse sie ihm entgegenhalten, er sei, und dies bleibe er in alle Ewigkeit, nur deren "Schandfleck... Nur wenige Worte werde ich brauchen, Dich zu beschreiben: Dein Atem verpestet die reine Luft, die wir heute einatmen, Deine zuckenden Lider verraten wider Deinen Willen die Niedertracht Deiner Seele, und jedes einzelne Deiner Haare steht für ein Verbrechen." Sie nahm kein Wort für den Mund und auch damit stellte sie sich dem traditionellen Bild der Frau entgegen.
In den Schriften von Olympe de Gouges kommt sehr deutlich ihre bereits früher artikulierten Sympathien für die Position der Girondisten zum Ausdruck: "Du möchtest Ludwig den Letzten umbringen, um zu vermeiden, daß er rechtmäßig abgeurteilt wird; Du möchtest sie alle umbringen: Petion, Roland, Condorcet, Brissot, Verniaud ... in einem Wort: alle Leuchten der Republik und des Patriotismus."
Olympe de Gouges hatte schon vorher zahlreiche Feinde, aber nach solchen Schriften waren ihre Tage allmählich gezählt. Doch bis zu ihrer Verhaftung im Juli 1793 publiziert sie weiter in diesem ihr eigenen Stil: Anklage, Anekdote, Stellungnahme, Satire.
Die Schrift von Olympe de Gouges: "Die drei Urnen oder das Wohl des Vaterlandes, von einem Reisenden der Lüfte" führte schließlich zu ihrer Verhaftung. Im Mai/Juni 1793 werden die Girondisten aus dem Konvent ausgeschlossen. Die genannte Schrift lieferte einen weiteren Anlaß, in Olympe de Gouges eine Parteigängerin der Girondisten zu sehen. Sie hatte hierin ein Plebiszit zu drei möglichen Regierungsformen vorgeschlagen: "Republikanische Regierung, eins und unteilbar; föderative Regierung; Monarchie." Zudem hatte sie im Dezember 1792 den König öffentlich verteidigt. Beides Zusammen wurde ihr als Propaganda zur Wiederherstellung der Monarchie ausgelegt. In erster Linie ist sie aber Patriotin und als solche befürchtet sie, das die Spaltung der politischen Parteien Frankreichs seinen Untergang bereiten könnte.
Auch stellt sich die Frage, ob bei ihren Schriften und Verteidigungsversuchen eine Fehleinschätzung der politischen Situation vorliegt, oder ob das ihr Idealismus ist, verbunden mit der Hoffnung auf eine sinnvolle Verbindung von Föderalismus und Republik? Wahrscheinlich überzeugte sie auch die Vorstellung der Girondisten. Und mit ihrer Einschätzung, daß Louis Capet, Ludwig der Letzte, über seinen Tod hinaus die Franzosen entzweien würde, sollte sie recht behalten: "Nun den, Franzosen, ... Louis Capet ist tot, desungeachtet herrscht Louis Capet hierzulande noch immer. Macht Euch nichts mehr vor, es ist hohe Zeit die Maske fallenzulassen. Jeder einzelne soll sich frei und ohne Scheu dazu äußern, ob er die Republik will oder nicht will."
Zur Verteidigung des Königs hatte Olympe de Gouges sich im Dezember 1792 auch aus humanitären Gründen erboten. Olympe de Gouges wollte eine gewaltfreie Umgestaltung im geistigen Sinne der Aufklärung. Die Verurteilung des Königs betreffend, haftet ihrer Position durchaus ein kassandrischer Zug an: "Europas Tyrannen wollen ihren Untertanen weismachen, wir brächten uns hier gegenseitig um und gedächten, in ihre Gebiete einzufallen und ihr habt an uns zu reißen, zur guter Letzt schleppten wir noch unseren tugendreichen König aufs Schafott. Solange er noch am Leben ist, halten sie sich jedoch zurück; ist er dereinst tot, so wird ihre Rachgier keine Grenzen mehr kennen." Diese Worte entstammen der Schrift zur Verteidigung des Königs, sie verfaßte sie im Dezember 1792 und übersandte sie der Nationalversammlung. "Jeder einzelne", das ist zweifellos ein Plädoyer für das allgemeine Wahlrecht. Die Herren Ankläger haben sich für eine eingehende Interpretation ihrer Schrift nicht interessiert; sie wurde verurteilt. In einer letzten Schrift, dem "Brief an das Revolutionstribunal", stellt sie verbittert fest: "Abhold jeglicher Intrige, jenseits aller Parteien, deren leidenschaftliche Kämpfe Frankreich gespalten haben, bahnte ich mir einen neuen Weg; mich nur auf meine eigenen Augen verlassend, nur meiner inneren Stimme gehorchend, bin ich den Törichten entgegengetreten, habe die Niederträchtigen angegriffen und mein ganzes Vermögen der Revolution geopfert." Sie selbst hat die passenden Worte zu ihrem Lebensweg gefunden: Einen neuen Weg bahnend, unerschrocken und vehement. Am 3. November 1793 wurde Olympe de Gouges geköpft.
Olympe de Gouges wurde nicht nur als Parteigängerin der Girondisten verurteilt. Zwei Wochen nach ihrem Tod wird sie in einer Rede des Führers Chaumette anderen Frauen - wie den Revolutionären Republikanerinnen, deren Club am 30. Oktober 1793 verboten worden war - als warnendes Beispiel vorgehalten. Seine Rede macht deutlich, daß die Möglichkeit einer Neudefinition des Geschlechterverhältnisses in einer bürgerlichen Gesellschaft vertan worden war: "Erinnert Euch dieser Virago... der schamlosen Olympe de Gouges, ... die die Pflichten ihres Haushaltes vernachlässigt hat, die politisieren wollte und Verbrechen beging. Alle solchen unmoralischen Wesen wurden vom Rachefeuer der Gesetze vernichtet... Ihr möchtet sie imitieren? Nein, Ihr spürt wohl, daß ihr nur dann interessant und der Achtung würdig seid, wenn Ihr das seid, was die Natur wollte, das Ihr seid."
Olympe de Gouges Inhalt
Olympe de GougesOlympe de Gouges erste Jahre und ihr Weg nach Paris
Olympe de Gouges erste Jahre in Paris
Olympe de Gouges: Wer war sie?
Olympe de Gouges: Die Hoffnung und die Französische Revolution 1789
Olympe de Gouges: Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin
Olympe de Gouges Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin
Olympe de Gouges: Frauenrechte versus Menschenrechte - Eine Gegenüberstellung
Olympe de Gouges letzter Gang: Der Weg zum Revolutionstribunal
Olympe de Gouges politisches Vermächtnis
Olympe de Gouges politische Position Produktivität
Olympe de Gouges politische Position Solidarität
Olympe de Gouges: Politische Position Patriotismus

