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Naturwissenschaft und Kirche in der Neuzeit

Durchgang verboten! Mose.


Galileo Galilei gelang es als erstem Europäer, sichtbare und nachvollziehbare Beweise für die tatsächliche Bewegung der Himmelskörper zu liefern. Vor ihm (und da die Kirche an ihr Weltbild, Erde der Mittelpunkt von allem festhielt, auch noch nach ihm) glaubte die gesamte Christenheit an das Weltbild der Kirche, nach dem der Mensch und seine Werke im Mittelpunkt des Universums auf der unbeweglichen Erde standen (sog. Sphärenmodell: Erde ist unbeweglich, Sonne, Mond, Planeten und Sterne umgeben diese). Diese Vorstellung stützte sich auf die Bibel.

Das Mittelalter hatte die Erkenntnisse antiker Astronomen über das Sonnensystem unterdrückt oder vergessen. Aristarch zum Beispiel lehrte 275 v.Chr., daß sich die Erde als drehende Kugel auf einer Bahn um die Sonne bewegte, Eratostehenes errechnete um 250 v.Chr. den Erdumfang, der nur geringfügig unter dem richtigen Wert liegt. Auch die Entfernung des Mondes und dessen Durchmesser wurde schon damals ziemlich genau errechnet. In den Augen der Kirche galt jedoch dieses Wissen als heidnisch, häretisch und falsch. Kugelgestalt der Erde bei Christoph Kolumbus

Naturwissenschaft und Kirche: Kopernikus

Kopernikus veröffentlichte 1543 (nach fast 30 Jahren zögern) seine Erkenntnis (gewonnen aus Beobachtungen und Berechnungen) und fand zu den schon von den Griechen gefundenen Erkenntnissen zurück. Die katholische Kirche überprüfte seine Theorie anhand der Heiligen Schrift und setzte sein Werk auf den Index der verbotenen Bücher (bis 1835). Der Papst verkündete: "Der erste Satz, daß die Sonne der Mittelpunkt ist und nicht um die Erde kreist, ist närrisch, widersinnig, der Gotteslehre zuwider und ketzerisch, weil ausdrücklich der Heiligen Schrift entgegen und der zweite Satz, daß die Erde nicht im Mittelpunkt ist, sondern um die Sonne sich dreht, ist widersinnig, der Philosophie zuwider und ... gegen den wahren Glauben." Die Protestanten beurteilten dies ähnlich.

Naturwissenschaft und Kirche: Giordano Bruno

Giordano Bruno, fasziniert von Kopernikus Berechnungen, akzeptierte die heliozentrische Theorie und veröffentlichte eine frühe Erklärung der Nebularhypothese und entwickelte sogar Ansätze für eine Evolutionstheorie. Er bezweifelte die Existenz der Hexerei und behauptete, daß die meisten der auf dem Scheiterhaufen verbrannten Frauen unschuldig wären. 1600 wurde er auf dem Campo dei Fiori verbrannt. Mehr über Giordano Bruno.

Naturwissenschaft und Kirche: Galileo Galilei

Zehn Jahre nach ihm beobachtete Galileo Galilei durch ein kleines Teleskop die Phasen der Venus, die Monde des Jupiters und die Sonnenflecken. Galileo Galilei lud Geistliche ein, selbst durch das Teleskop zu schauen. Sie aber weigerten sich mit der Begründung, das würde ihre Seelen gefährden, weil Objekte wie die Monde des Jupiters ein Blendwerk des Teufels seien. Nach der Lehre der Kirche gäbe es nur sieben Planeten, da die Heilige Schrift nur sieben Erzengel, sieben Gemeinden Asiens, sieben goldene Leuchter und andere Allegorien kenne. Außerdem brächten Galileis Entdeckungen, das bisherige Wissen über den Tierkreise in Wanken.

1652 veröffentlichte Galileo Galilei seinen Dialog, in der er das Kopernikanische Weltbild bewies. Von der Kirche gab es heftigen Widerstand, der viele Jahre lang anhielt. Galilei wurde eingesperrt, gefoltert und gezwungen, auf den Knien zu widerrufen. Galileo Galilei mußte geloben, "den Irrtum und die Ketzerlehre von der Bewegung der Erde zu verfluchen und zu verabscheuen". Papst Paul V. beendete die Diskussion mit einem feierlichen Dekret: "Die Lehre von der doppelten Erdbewegung um die eigene Achse und um die Sonne ist eine Irrlehre und völlig gegen die heilige Schrift." Auf Reaktion auf Galileo Galileis Entdeckungen segnete die Kirche zahlreiche hastig erstellte Arbeiten ab, die ihn widerlegen sollten. Beispielsweise von Scipio Chiaramonti (Theologe): "Tiere, die sich bewegen, haben Glieder und Muskeln; die Erde hat keine Glieder oder Muskeln, daher kann sie sich nicht bewegen; Engel sind es, die Saturn, Jupiter, die Sonne usw. kreisen lassen; wenn die Erde sich drehte, müßte sie auch einen Engel in ihrer Mitte haben. Aber dort lebt nur Teufel; es würde also auch nur ein Teufel sein können, der die Erde in Bewegung setzte..."

Noch im späten 19. Jahrhundert bemühten sich die Geistlichen vergeblich, die biblische Kosmologie zu verteidigen.

Naturwissenschaft und Kirche: Alles nur Täuschung?

Erst 1885 erkannte der heiliggesprochene George Mivart (katholischer Gelehrter), daß Gott in bezug auf die Struktur des Universums wohl gelogen hat. Gott täuschte die Päpste und Kardinäle absichtlich, um ihnen vor Augen zu führen, daß die Astronomie außerhalb ihrer Macht läge. Dies wurde dann auch die offizielle Meinung der katholischen Kirche zum galileischen Fiasko.

Der Kampf um Galileo Galilei lieferte das Muster, nach dem die Kirche in den folgenden drei Jahrhunderten jede neue Entdeckung verdammte. Im Zeitalter der Aufklärung wurde fast jede naturwissenschaftliche Erkenntnis verworfen, weil sie im Widerspruch zur Heiligen Schrift stand. Annähernd jedes bedeutende wissenschaftliche Werk dieser drei Jahrhunderte erschien auf dem Index der verbotenen Bücher, nachdem es, weil es der Bibel widersprach, für falsch erklärt worden war.

1832 erklärte Papst Gregor XVI. den Krieg gegen die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung.

Der Biologe Huxley drückte es deutlich aus, bei allen Pfaden der Naturwissenschaften stoße er stets auf eine Schranke mit der Tafel: "Durchgang verboten! Mose." und fand so wohl eine treffende Beschreibung für das Verhältnis Naturwissenschaft und Kirche.

Besonders deutlich wird die Unterdrückung der freien Wissenschaften, wenn man sich vor Augen hält, daß es in der Entwicklungsgeschichte der Physik seit den Griechen erst wieder im 16. Jahrhundert wieder zu bedeutenden Entdeckungen gekommen ist.

Zeittafel Astronomie
Zeittafel Entdeckungen und Erfindungen
Zeittafel technische Erfindungen für den Alltagsgebrauch
Giordano Bruno Biographie

Naturwissenschaft und Kirche

Es gibt nur ein Problem, das schwieriger ist als Freunde zu gewinnen. Sie wieder loszuwerden. Mark Twain, Erzähler, 1835-1910 Zitate & Sprüche.

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Naturwissenschaft und Kirche in der frühen Neuzeit